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9 Tipps für den Umgang mit Trauernden

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Posted on / by Linda

Es gibt Momente im Leben
da steht die Welt für einen Augenblick still,
und wenn sie sich dann weiterdreht,
ist nichts mehr wie es war.

Habt ihr schon Erfahrung mit dem Tod gemacht? Hab ihr vielleicht selbst jemanden verloren oder kennt ihr vielleicht jemand in euren nahen Umfeld der jemanden verloren hat?
Meine erste Begebung mit dem Tod war vor etwa 2 Jahren. Eine sehr nahestehende Freundin von mir hatte damals einen schweren Verlust erlitten. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie mit dem Tod konfrontiert wurden war, wusste ich zuallererst nicht so recht, wie ich ihr am besten durch diese schwere Zeit helfen konnte.
Jetzt musste ich vor kurzem selbst am eigenen Leib erfahren wie es sich anfühlt gleich zwei geliebte Menschen zu verlieren.  Dabei ist mir aufgefallen wie vielen Menschen es doch sehr schwer fällt auf solche Schicksalsschläge zu reagieren. Da ich selbst auch schon auf der anderen Seite stand und weiß wie sehr solch eine Nachricht einen verunsichern kann, hatte ich die Idee für diesen Blog.

Ich habe diese 9 Punkte zusammengestellt aus den Erfahrungen die ich auf beiden Seiten machen konnte. Vielleicht hilft es einigen von euch, den Umgang mit einer trauernden Person zu erleichtern. All diese Punkte basieren nicht auf einer hochwissenschaftlichen Recherche, sondern nur auf meinen eignen gemachten Erfahrungen und Gedanken. Deshalb ist das hier nicht das Nonplusultra, sondern nur einige kleine Hilfestellungen, die natürlich auf die jeweilig betreffende Person individualisiert werden können und sollten.

An dieser Stelle würde ich gern all meinen Freunden, Familie und Bekannten ein großes Dankeschön aussprechen. Danke, dass ihr da seid, selbst in der bis jetzt schwersten Zeit meines Lebens. Danke, dass ihr mir stundenlang zuhört, mich festhaltet, mit mir lacht, mit mir weint und einfach immer für mich da seid. Ihr seid die besten und ich liebe euch sehr! 

1. Empathie Baby

Empathie ist wohl die wichtigste Grundlage für alle Punkte hier. Empathisch zu sein ist eine Fähigkeit, welche einige Menschen mehr und einige weniger natürlich mitbringen bzw. erlernten. Aber mit ein wenig Übung wird jeder besser. Im Umgang mit Trauernden ist es wichtig empathisch zu sein, damit du erkennen kannst was dem anderen gerade gut tun würde, ohne das er es zum Ausdruck bringen muss. Es beinhaltet das feinfühlige Gespür zu wissen, wann der Moment gekommen ist zu sprechen und wann zuzuhören. Wenn dich der Moment jetzt doch etwas überfordert und du das Gefühl hast, dass deine Empathie gerade Urlaub macht, dann helfen dir vielleicht die nächsten 8 Punkte als kleiner Wegweiser.

2. Weniger ist mehr

Der übliche Ausspruch “Dafür gibt es keine Worte” trifft hier wirklich zu. Es gibt Nichts zu sagen. Also setzt euch nicht selbst unter Druck und versucht zwanghaft irgendwelche tröstenden oder treffenden Worte zu finden. Das heißt natürlich nicht, dass ihr für immer stumm bleiben sollt. Wenn ihr wisst, was ihr sagen wollt und die Worte für eine empathische Anteilnahme habt, dann enthaltet uns dieser nicht. Ihr könnt uns auch sagen, dass ihr nicht wisst was ihr sagen sollt. Meistens jedoch wissen wir das schon und nehmen es euch wirklich gar nicht übel.
Mir hat es meist am besten geholfen, wenn Menschen mir ganz authentisch und ehrlich gesagt haben, dass sie nicht ansatzweise nachspüren könne was ich fühle, aber das sie mit dem Herzen bei uns sind.  Kurz, authentisch und herzlich sind hier wohl die Schlüsselworte. Wenn ihr euch aber eher unsicher seid, dann greift lieber auf den 2. Punkt dieser Liste zurück.

3. Umarmungen sind Gold

Wenn alle Worte fehlen, ist eine Umarmung Gold wert. Hierbei ist natürlich zu beachten wie nah ihr der trauernden Person wirklich steht. Kennt ihr diese nur entfernt oder hegt eine geschäftliche Beziehung, kann ein Händedruck, kombiniert mit einer leichten Berührung des Oberarms, eine ebenso fürsorgliche Geste sein!
Für Familie, Freunde, Verwandte und alle nachstehenden Personen gilt jedoch: Umarme was das Zeug hält. Gern länger, öfter und fester als gewöhnlich.

Quelle:Facebook
Quelle:Facebook

4. Bleibe Stark

Wenn man von einem Trauerfall hört, ist man als Außenstehender meistens selbst, und manchmal auf unerwarteter Weise, berührt. Ein Tod, egal ob es einen direkt oder (nur) indirekt betrifft, erinnert uns an unsere eigene Sterblichkeit und daran das man selbst auch einen geliebten Menschen verlieren könnte. Dies kann dann schon einmal überwältigende Trauer, Angst und den Drang unbedingt helfen zu wollen, in einem auslösen.
Diese Gefühle sollte man sich auch mal anschauen und zulassen, doch wenn es möglich ist, nicht gerade an den Trauernden herantragen.
Ich habe erlebt, dass ich an irgendeinem Punkt, die schwere Nachricht direkt mit einem Nachsatz versehen habe, der sagte, dass aber alles gut werden würde und unsere Familie stark sei (oder so etwas ähnliches). Ich hatte einfach das Gefühl meinem Gegenüber vor meinem Schicksal beschützen zu müssen, was in dem Moment sehr unpassend ist.
Deshalb ein kleiner Tipp: Sei stark für den anderen. Es wird sicher noch einen Zeitpunkt geben an du selbst deine Gefühle zum Ausdruck bringen kannst, doch jetzt ist es am hilfreichsten, wenn du für deine Freundin/Freund, Bekannten/Bekannte… stark bist. Das Gefühl gehalten zu werden, das ist wirklich eine Hilfe in dieser Zeit.

5. Wir sind trotzdem normale Menschen

Versuche dich einfach “normal” zu verhalten. Wir wollen nicht das Gefühl haben irgendwelche Sonderlinge zu sein. Das heißt, dass du nicht künstlich überfreundlich, betroffen oder gut gelaunt rüberkommen solltest. Ein liebes Wort, ehrlich gezeigtes Mitgefühl, eine feste Umarmung und ein Ohr für alles was uns auf dem Herzen liegt oder einfach eine Schulter zum Schweigen- Such dir einfach was aus. Versuche echt zu sein und bitte achte auf dein Gesicht, das kann in solchen Situationen schon einmal schnell entgleisen. 😉
Ich persönlich mochte es auch gern, dass mir mein Gegenüber von seinem Leben, seinen Problemen und seinem Alltag erzählte. Es ist oft der Fall, dass es dir als Außenstehender dann auf einmal so banal vorkommt über deine kleinen Problemchen zu reden, aber für uns als Trauernde ist es doch eine schöne Abwechslung mal nicht nur von uns und der ganze Schwere zu reden, sonder lieber mal über ganz “normale” Dinge zu philosophieren.

6. Die Kunst des Zuhörens

Ich weiß, dass die Konfrontation mit Trauernden überfordernd sein kann. Vielleicht ist man selber noch nie mit dem Tod konfrontiert worden und kann deswegen schwer nachvollziehen, wie sich das alles anfühlen mag. Der beste Tipp, wenn man keine Worte hat, ist deshalb: Zuhören. Gib dem anderen zu verstehen, dass er dir alles erzählen kann ohne ihn zu drängen. Du musst auch gar nicht viel antworten, nur zu Verständnis geben, dass du da bist, auch wenn du nicht nachvollziehen kannst, was es heißt einen Menschen zu verlieren. Eine Aufrichtige Anteilnahme kann man auch ohne Worte spüren.

7. Erwartungen bitte entsorgen

Trauer hat unendlich viele Formen und Arten sich zu zeigen. Deshalb ist ein wichtiger Tipp: Habe keine Erwartungen an die Trauernden. Es gibt einfach keine Regeln. Wenn der Trauernde weint, dann halte hin. Wenn er erzählt, höre zu. Wenn er lacht, lache mit ihm. Wenn er, einfach mal kurz unbeschwert sein will, dann schenke ihm Sekt ein und geh mit ihm tanzen (Abwandlungen erlaubt ;)). Das heißt, dass es Wichtig ist für dich zu wissen, dass Trauer nicht nur ein Gesicht hat. Manchmal zeigt sie sich in verzweifeltem Weinen, manchmal in liebevollem Erinnern und ein anderes Mal in dem kurzem “Ich tue so, als wäre alles normal”. Sei offen, für alle individuellen Formen und gebe dem Trauernden niemals das Gefühl, dass das was er im Moment fühlt “falsch” ist oder “anders” sein sollte.

8. Es braucht Zeit

Trauer ist ein Prozess den man nicht einfach so mal in einem Monat oder zwei abschließt. Es ist kein Abschied, nachdem man sich einfach umdreht und weitergeht. Es ist ein Abschied den man in Millionen kleinen Momenten immer wieder nimmt, welcher dein Leben unumkehrbar verändert und mit welchen du zu leben lernen musst. Am Anfang ist man als Trauernder umhüllt von Anteilnahmen, Zusprechungen und Menschen die helfen wollen, doch irgendwann geht das Leben einfach weiter. Denkt daran, wenn ihr mit Trauernden zu tun habt, welche ihr öfter seht, dass Trauer nicht einfach geheilt ist. Sie kann vielleicht auch erst nach Monaten wirklich stark hervortreten oder wirft den Trauernden in einigen Momenten unverhofft immer mal wieder aus der Bahn. Wenn du jemanden in deinem Umfeld hast der trauert, dann gebe ihm/ihr auch noch nach Monaten oder Jahren das Gefühl, dass alles erlaubt ist, egal wann es hochkommt. Denn wer das Versprechen “Du kannst mich jeder Zeit anrufen” macht, sollte es auch dann noch halten. 😉

9. Trauerkarten

Zuallererst: Die Anreden “Trauerfamilie” oder “Trauerhaus” sind veraltet. Sind wir doch mal ehrlich, dass klingt einfach auch ziemlich deprimierend. Deshalb: Wenn ihr eine Karte schreibt, dann kennt ihr sicher auch den Namen der Familie, benutz einfach diesen! Die Karten die mich am meisten berührten, waren jene die Erinnerungen an die/den Verstorbene/n beinhalteten und durch kurze ehrliche Worte ihre Anteilnahme ausdrückten.

In Liebe,

Eure Linda

 

Linda

Koffein fließ in meinen Venen, Glitzer dekoriert mein Gesicht und ein Garten blüht in meinem Herzen. Ich bin Linda. 25 Jahre jung und genauso wenig ein Fan von Wodka wie von Smalltalk. Yoga ist meine Passion und Liebe meine stärkste Waffe. Ich tanze durch das Leben, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Namasté!

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