Spirit

Für Papa.

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Posted on / by Linda

Auf all meinen Wegen
hast du mich beschützt.
Ich hoffe, ich gebe dir das irgendwie zurück.
Auf all meinen Wegen
trag ich dich bei mir
wie einen Kompass,
den ich nie mehr verlier’,
nie mehr verlier’.

 

Die Kirchenglocken läuten und die kalte Luft strömt in mein Gesicht, als ich mit langsamen Schritten aus der Kirche trete. Der frischgefallene Schnee bedeckt den Boden, die Bäume und schenkt diesem Ort eine friedliche Atmosphäre. Die roten Rosen auf deinem Sarg, dem wir langsam aus der Kirche gefolgt sind, leuchten im Angesicht der weißen Welt um uns. Sie sind das Symbol für deine Liebe, deinen Mut und deine Stärke, mit welchen du diese Welt bereichert und veränderst hast und welche auf ewig bleiben werden.

Du bist nicht mehr da, aber die Liebe, die Weisheit und alles was du mir gegeben hast, ist in mir gesichert. Du bist in meinem Herzen, du bist ein Teil von mir.
Überall da wo ich bin, wirst auch du sein. Überall wo wir sind, da bist auch du.

Du hast mir gezeigt wie ich einen Kopfsprung in ‘s Wasser mache.
Hast mir geholfen auf Rollschuhen zu stehen und mich auf meiner ersten Fahrradtour begleitet.
Du hast mich aufgefangen, wenn ich fiel und mich auf deinen Schultern getragen, wenn meine Füße zu müde zum Laufen waren.
Du bist mit mir in die höchsten Wellen gesprungen und hast mich immer wieder hochgezogen, wenn mich eine von diesen verschluckt hatte.
Du hast mir die Schiefer aus meinem Finger geholt, wenn ich mich selbst nicht getraut habe.
Du hast mit mir Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg zum Einschlafen gehört.
Du hast mir Geschichten erzählt und bist manchmal dabei selber neben mir eingeschlafen. Und immer, wenn ich in der Nacht aufgewacht bin und Angst hatte, hast du mir einen Platz in deinem Bett gegeben.
Du hast für meine Barbie den Ken gespielt.
Hast mich vor Monstern beschützt und mir gezeigt, dass es nichts gibt, vor dem ich Angst haben brauche.
Gemeinsam haben wir Blitze beobachtet und dem Regen zugehört.
Du hast mir die Welt gezeigt, mir Grenzen gesetzt und mir gleichzeitig Flügel gegeben.
Du hast mir beigebracht an mich selbst zu glauben und an all meine Träume.
Du hast an mich geglaubt, was mir geholfen hat, dasselbe für mich zu tun.
Du hast mir das Leben erklärt und mir Mut gegeben los zu gehen und es zu entdecken.
Du hast mir das Vertrauen gegeben, dass ich alles schaffen kann was ich möchte, dass ich alles sein kann, was ich will und dass ich immer sicher bin, bei allem was ich tue.

Du warst immer für alle da. Wenn nichts mehr ging, warst du es immer, der noch einen Weg und eine Lösung gesehen hat.
Es geht immer weiter und nichts ist unlösbar. Das war deine Devise. „Du musst nur mit mir reden“, hast du immer gesagt.
Du gabst Hoffnung, Mut und Vertrauen. Hast an dich und an deinen Weg geglaubt und hast dadurch allen anderen den Mut gegeben, dass gleiche für sich selbst zu tun. Du hast jeden Tag 100% und mehr gegeben. Du hast allen geholfen, hast gegen Ungerechtes gekämpft und an das Gute geglaubt. Du hast alles repariert, egal was es war. Es gab nichts, was unmöglich war.

Du hast in deinen 53 Jahre so viel erreicht, so vielen Menschen geholfen und so viel verändert, wie einige in ihrem ganzen Leben nicht. Du hattest immer so viele Träume, Visionen und Wünsche. Wolltest noch so viel erleben, erreichen und verändern. Du hast dir von anderen nichts vorschrieben lassen. Du warst so authentisch du selbst, ganz egal was andere davon hielten. Du wusstest, was du wolltest und dann bist du losgegangen und hast es dir geholt. Und das hast du für andere genauso gemacht, wie für dich selbst. Du hast alle motiviert, in einer Weise, wie es nur du es konntest. Hast sie mitgerissen, ihnen glauben gemacht, dass alles möglich ist.

Du hast dein Leben
lang gegeben,
Werte vertreten
und alles das ist dir so gut gelungen.

Jetzt bist du nicht mehr da, doch du lebst weiter, in all dem Guten und all der Liebe die du verbreitet, in dem unvergesslichen Eindruck den du hinterlassen hast. Du hast das Leben so vieler Menschen bereichert, berührt und verändert. Egal ob sie dich nur einen Tag, Monate oder Jahre kannten, du hast sie bewegt, so dass sie dich nie mehr vergessen können.
Du lebst weiter in den Herzen deiner Familie, deiner Freunde und in all den Menschen, dessen Herzen du mit deiner Güte und Einzigartigkeit berührt hast.

Das Haus was wir Zuhause nennen, was so vertraut ist und so viele Erinnerung trägt, ist nicht mehr dasselbe ohne dich.
Du fehlst.
Es fühlt sich leerer und leiser an.
Deine kräftige Stimme am Morgen fehlt mir,  um wach zu werden, das sichere Wissen, dass du da bist fehlt mir in der Nacht, um einzuschlafen.
Wie sehr die Energie und Präsenz eines Menschen alles verändert, merkt man erst so richtig, wenn er geht.

 

Du fehlst mir. Jeden Tag.
Und was neben dem unendlichen Vermissen bleibt, das ist unendliche Dankbarkeit.
Dankbarkeit, dass du mein Papa bist.

Du hast uns beschütz und hast alle Last auf dich genommen, damit wir sorglos sein konnten. Dir war es wichtig, dass wir wissen, dass alles möglich ist, dass wir sicher sind und dass es nichts gibt worüber wir uns Sorgen machen müssen. Jetzt erst können wir sehen, was du wirklich alles geregelt hast, was du für eine Last getragen hast, die du nicht teilen wolltest, damit wir sorglos sein können.

Jetzt müssen wir auf einmal alle selber erwachsen werden. Wir stehen ein wenig im Leeren. Müssen jetzt alles allein regeln, uns mit Dingen beschäftigen die nur du verstanden hast und lernen aufzustehen und weiterzugehen. Doch du hilfst uns. Wir haben all das in der Hand, was du uns über all die Jahre gegeben hast, alles was du uns gezeigt und erklärt hast. Wir haben die Werkzeuge in der Hand, jetzt müssen wir nur lernen sie zu bedienen und die Kraft finden loszugehen.

Zu allererst hatte ich dieses übermannende Gefühl von Hilflosigkeit. Wie kann ich ohne meinen Papa leben? Wie kann ich weitermachen, ohne den Menschen der mir so viel Halt, Sicherheit und das Gefühl gab, dass egal was passiert, es nichts gibt, was er nicht reparieren kann.

Drei Mal habe ich die Chance gehabt einen Abschied zu haben, welchen ich noch nicht bereit war zu nehmen. Wie kann ich von dir Abschied nehmen, wenn ich doch gar nicht wollte, dass du gehst? Ich fühle mich trotzig. Ich will eine große, warme Papa-Umarmung. Nur noch einmal.

Ich bin doch immer noch ein Kind und fühle mich so gar nicht erwachsen genug, um in einer Welt ohne meinen Papa zu leben.
Ich wollte dir doch noch so viel zeigen und noch so viel mit dir machen. Ich wollte doch, das du siehst wie ich mir langsam mein Leben zusammenschustre, das du stolz sein kannst, auf die Frau, die ich werde.

Ich weiß, dass du in mir lebst.
Ich weiß, dass der Tod nicht das Ende bedeutet.
Ich weiß, dass ich nur deine Hülle verloren habe.
Ich weiß, dass das was dich ausmacht noch da ist.
Aber trotzdem bist du nicht mehr da und das macht mich unendlich traurig.

 

 

Doch ich kann jetzt auch sehen, dass ich so viel von dir, in mir selber trage.

Ich erkenn’ mich immer, mehr immer mehr in dir.
[…]
Was war, das bleibt,
das brennt sich ein,
das bleiben wir,
das bleiben wir.

Die Leidenschaft die in dir brannte, mit der du jede Tätigkeit, jeden Raum erfülltest und mit der du immer im jeweiligen Moment alles gabst, diese Leidenschaft brennt auch in mir. Und immer, wenn ich für das was ich möchte, für meine Träume und alles was ich mir wünsche kämpfe, immer, wenn ich mutig bin, wenn ich für Gerechtigkeit einstehe und immer dann, wenn ich selbstbewusst ich selbst bin und andere ermutige dasselbe zu tun, immer dann werde ich dich ganz besonders in mir spüren und dankbar sein, das du mir bei all dem hilfst.

Ich werde dich feiern, jeden Tag ein bisschen. Ich werde die Musik extra laut aufdrehen und in der Kirche zu Weihnachten extra laut für dich mitsingen. Ich werde aufhören mir darüber Gedanken zu machen, was andere über mich denken. Ich werde am Lagerfeuer sitzen und in die Sterne schauen. Ich werde bei jedem Bier, was ich öffne, einen Schluck für dich mittrinken. Ich werde tanzen, lachen, singen und dich auf’s Tomorrowland mitnehmen. Ich werde mich an deine Stärke besinnen, wenn ich vor Menschen spreche und an deine Willensstärke, wenn ich mich für meinen Weg einsetze. Ich werde, jedes Mal, wenn ich Zuhause bin, in den Keller gehen, um dir nah zu sein.

Ich bin stolz darauf deine Tochter zu sein und unendlich dankbar dafür, dass du mein Papa bist.
Wie sehr du mir fehlst und wie schmerzlich es ist dich nicht mehr bei uns zu haben, ist nicht in Worten greifbar.
Doch genauso wenig greifbar ist die unendliche Liebe, die ich für immer in meinem Herzen bewahren werde.

Ich liebe dich.

 

Zitate: Madsen- Kompass

Linda

Koffein fließ in meinen Venen, Glitzer dekoriert mein Gesicht und ein Garten blüht in meinem Herzen. Ich bin Linda. 25 Jahre jung und genauso wenig ein Fan von Wodka wie von Smalltalk. Yoga ist meine Passion und Liebe meine stärkste Waffe. Ich tanze durch das Leben, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Namasté!

2 Comments

  • Sophie
    Juni 29, 2017

    Wauw Linda.. This is so beautiful and so well written! I love & miss you! Kisses and hugs, Sophie

    Reply
    • Linda
      Juni 30, 2017

      Thank you Honey! <3 I love and miss you too a lot!

      Reply

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