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Ich habe Angst

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Posted on / by Linda

 

“What will I say when my kids ask me who my daddy was
I thought about it for a while and I’m at a loss
Knowing that I´m gonna live my whole life without him I found out a lot of things I never knew about him”
Happy home- Sam feldt

Als ein Kind meiner Gruppe heut etwas hilflos umher schaute, fragte ich sie ob alles in Ordnung sei. Sie antwortet mir, dass sie traurig ist, weil ihr Opa gestorben sei und dass sie ihn nicht kennen lernen konnte.

Ich sagte ihr, dass ich das gut verstehen konnte. Ich sagte zu ihr, dass sie ihre Mutti fragen könnte, ihr Geschichten über ihren Opa zu erzählen, dass ihr das vielleicht helfen könnte.

Sie antwortete mir, dass sie das nur noch trauriger machen würde, wenn wir wisse, wie toll er war und sie ihn niemals treffen konnte. Dass sie ihn hier richtig bei sich haben würde wollen.

Ich sagte ihr, dass ich verstehen kann, wie sie sich fühlt und ob ich ihr einen Vorschlag machen könnte.

Sie schaute mich aus ihren tränen gefüllten Augen an und sagte ja.

Ich erklärte ihr, das meinen Papa auch gestorben sei und dass, wenn ich ihn ganz sehr vermisse ich ihn darum bitte mich zu besuchen, z.B. im Traum, und dass ich dann ab und zu von ihm träumen würde und dass mir das manchmal ein bisschen helfen würde.

Sie schaute mich an und Tränen kullerten über ihr Gesicht. Sie sagte zu mir, dass sie ihn dann nur noch viel mehr vermissen würde, weil sie ja irgendwann aufwachen müsste und dann wäre er nicht mehr da. Sie sagte, dass sie ihn einfach hier haben wollen würde.

Ich konnte das Gefühl des kleinen Mädchens vor meinen Augen so gut nachempfinden und fühlte mich so machtlos, denn ich wusste, das ihr tiefster Wunsch leider unmöglich war und meiner auch.

In den letzten Wochen war meine Trauer sehr leise. Sie war wie eine ganz leise Musik in mir, welche ich kaum hörte. Ich legte mich in die Stille.
Ich genoss meine sprudelnde Energie und meine kommenden Ideen, welche mit ihr kamen.

Doch nach einer Weile fing es an mir Angst zu machen. Ich habe mich lange für so „lange“ nicht mehr so „leicht“ gefühlt.
Ich fühlte etwas in mir brodeln. Ich wusste, dass ich irgendwann wieder hinschauen musste, doch je länger ich nicht tief in das Gefühl hineinging, desto größer wurde die Hürde.

Heute habe ich mich getraut.

Ich habe meinen Mut zusammen genommen, für mich und für das kleine Mädchen.

Was ich gefunden habe ist unglaubliche Angst.

Ich weiß nicht mehr wie du gerochen hast.

Ich habe so viel Angst zu vergessen wie es sich angefühlt hat, wenn du den Raum betreten hast.
Ich habe so viel Angst zu vergessen, wie deine Stimme klang, wie du gesprochen hast, wie du gegangen bist.
Ich habe so viel Angst, zu vergessen wie sich eine große warme Papa-Umarmung angefühlt hat. Zu vergessen, was du mir gezeigt und gelernt hast.
Zu vergessen, wie du gelacht hast.

Ich habe Angst zu vergessen.

 

Linda

Koffein fließ in meinen Venen, Glitzer dekoriert mein Gesicht und ein Garten blüht in meinem Herzen. Ich bin Linda. 26 Jahre jung und genauso wenig ein Fan von Wodka wie von Smalltalk. Yoga ist meine Passion und Liebe meine stärkste Waffe. Ich tanze durch das Leben, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Namasté!

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