Spirit

Meine erste Trauerrede 

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Posted on / by Linda

Ich saß mit Papa am Abendbrottische. In der einen Hand, hatte er den Frischkäsebecher von Almette und in der anderen einen Becher von Bautz’ner Senf. „Die anderen sind Almette doch du bist der Bautzner Senf. Und die Almette- Menschen haben oft Angst vor dem anderen. Doch du bist etwas ganz besonderes und nicht jeder wird das verstehen und nicht jeder wird das sehen, doch du darfst nie vergessen das du der Bautzner Senf und nicht der Almette bist.“

Heute ist ein besonderer Tag.

Und ich wollte hierzu gern eine kleine Rede schreiben.
Ich wollte gern etwas sagen.
Ich weiß nicht so recht wie und ich weiß nicht so recht was, doch durch irgendeinen Grund, habe ich das Gefühl genau das machen zu wollen.
Ich kann die Stimme von Papa in meinem Ohr hören welche in einem kräftig-bestimmenden und doch liebevollen Ton sagt “Du kannst das.”

Wir sind heute alle hier, um uns an einen Menschen zu erinnern, welchen wir alle sehr geliebt haben. Wir erinnern uns alle an den selben und doch, jeder an einen ganz individuellen. Denn er war nicht nur Vater, sondern er war auch Sohn, Bruder, Ehemann, Schwiegersohn, Schwager, Onkel, Patenonkel, Opa, Freund, Helfer in der Not, Kämpfer für Gerechtigkeit und der großzügigste Mensch, welchen ich kannte.

Ich habe von meinem Papa nicht nur den Unterschied zwischen Almette und Senf gelernt, sondern auch, dass es ein „Das kann man doch nicht machen“ gar nicht gibt.

Ich erinnere mich an eine Situation, in welcher ich mit Mama und Papa in den vegetarisch-veganen Restaurant in Bautzen zu Mittagessen war. Papa ging nach dem Bestellen seiner Suppe eben noch kurz raus und kam mit einem Stück Fleisch aus der Fleischerei zurück, welches er ganz selbstverständlich in seine Suppe tat. Als die Kellnerin vorbeikam, erklärte er ihr, dass er seine Suppe nur noch ein wenig hätte aufpeppen müssen.

Er tat was er wollte, egal was auch immer die anderen dachten oder sagten. Er provoziere gern und nahm sich was er wollte. Ich stand so oft in ähnlichen Situationen neben ihm. Oft mit einer Mischung aus Bewunderung und Scham, denn ich spürte wie in mir der Satz „Das kann man doch nicht machen“ immer lauter wurde.

Doch immer, wenn ich jetzt merke, wie dieser Satz in mir hochkriecht denke ich an meinen Papa der mir so oft zeigte, dass man so vieles eben doch machen kann. Das man alles machen kann. Und vor allem, dass es ganz egal ist, was all die anderen denken.

Beim Schreiben dieses Textes, habe ich so oft abgebrochen und wieder neu angefangen. Ich hatte, das Gefühl nicht die richtigen Worte finden zu können. Das nichts was ich schrieb dem allem gerecht werden konnte.
Ihm Gerecht werden konnte.
Ich hatte das Gefühl, meine Worte konnte nicht die Größe dieses Tages und des Menschen greifen, welchen wir hier alle vermissen.

Doch dann erinnerte ich mich daran, dass ich im Laufe des vergangenen Jahres immer wieder feststellen musste, dass am Ende es nicht so sehr um die großen Dinge geht, sondern, dass es die kleinen Dinge sind die bleiben und vor allem die, die man einfach nicht in Worte fassen kann.

Denn was ich am meisten erinnere und vermisse ist zum Beispiel die Art wie er sprach und meine Begeisterung dafür, wie er einfach so aus dem nichts Reden halten konnte.

Ich sehe ihn noch vor mir, wie er immer dastand und an den richten Stellen pausierte und seinen Blick durch den Raum schweifen ließ und wie er seine Hände dabei zu einer offenen Geste öffnete oder vor seinem Oberkörper zusammenführte. Er hätte dich einfach von allem überzeugen können.

Ich erinnere mich daran wie er lachte.
Ich erinnere mich an all die lustigen Wörter und Sprüche welche er Aron und Angel beibrachte.
Ich erinnere mich an seine Stimme, welche mich immer mit „Mein Liebling“ oder „Mein Sternchen“ begrüßte.
Ich erinnere mich an sie starken, warmen und haltgebenden Umarmungen, welche nur er geben konnte.

Er konnte es nicht sehen, wenn ich Löcher in den Socken hatte und meine Wohnung aussah wie Schwein.
Er konnte seine Hände nicht stillhalten und musste einfach immer etwas tun, auch wenn es war, den Sand am Strand zu sieben.
Er konnte einfach alles reparieren- und das betraf nicht nur Gegenstände. Und er konnte für alles eine Lösung finden. Und durch Sackgassen, neue Straßen errichten.

Er liebte es laut Musik zu hören und ich erinnere mich, wie er im Auto dabei mit seinem Fingern auf dem Armaturenbrett im Takt der Musik Keyboard spielte. und ich erinnere auch mich daran, dass mir dies vor meinen Freunden am Anfang ziemlich peinlich war.

Er liebte es stundenlang am Lagerfeuer zu sitzen.
Er liebte es Bier zu trinken.

Ich habe von ihm gelernt an mich selbst zu glauben, weil er es zuerst tat. Ich habe von ihm gelernt, dass, um das zu bekommen was ich möchte, ich sagen muss was ich will.
„Sag was du willst“, war seine Antwort, wenn ich versuchte, um den heißen Brei herum zu reden.

Er zeigte mir Liebe.
Mit jedem „Schön das du da bist“ als ich Heim kam, mit jedem „Ich hab dich lieb“ bevor ich schlafen ging.
In seiner Großzügigkeit, die nichts zurückverlangte und in der Art und Weise, wie er immer allen zu helfen versuchte.

Er war mein größter Fan und der beste Motivator.

Es gibt dieses Zitat, welches besagt, dass Menschen vergessen werden was du gesagt hast. Sie werden vergessen, was du gemacht hast, aber sie werden niemals vergessen wie du sie fühlen lassen hast.

“I’ve learned that people will forget what you said, people will forget what you did, but people will never forget how you made them feel.” ― Maya Angelou

Das Gefühl was bei mir bleibt ist ein Gefühl von Liebe, Wärme und Sicherheit.  Die Gewissheit, dass ich alles sein kann, dass ich alles tun kann, dass nichts unmöglich ist und dass was auch immer passieren wird, es immer eine Lösung gibt.

Am Ende also bleiben tausende von kleinen Momenten die dann das große Ganze bilden.

Es bleibt das Lachen, die unendliche Dankbarkeit und die bedingungslose Liebe.

Das hier waren einige Einblicke in meinen Erinnerungsschatz und ich weiß das jeder von euch seinen eignen hat.
Das ist unser Schatz, welcher uns zeigt das er immer ein Teil von uns bleiben wird und dass das Wichtigste nie verloren gehen kann.

Danke.

Eure Linda

Linda

Koffein fließ in meinen Venen, Glitzer dekoriert mein Gesicht und ein Garten blüht in meinem Herzen. Ich bin Linda. 25 Jahre jung und genauso wenig ein Fan von Wodka wie von Smalltalk. Yoga ist meine Passion und Liebe meine stärkste Waffe. Ich tanze durch das Leben, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Namasté!

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