New Experience / Yoga

Reisebericht: Von der Magie einer Yogareise in die Toskana

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Posted on / by Linda

You can choose.
Choose to live.
Run. Fly. Wildly.
Begin again.
And begin to feel alive.
Feel.
Everything and nothing and all in between- feel it all.
Flushing through your veins- let it in, let it sit and then let it go.
Slowly, but very surely, replace all of the forgotten with all of the new.
Add to it, mix to it, blend whoever you were, who you are now, with who you are about to become.
Alchemy- turn it to gold.

Ich fühle mich leer, verloren und festgefahren. Es ist als würde vor mir eine riesige Wand stehe und ich schaue sie an, unfähig zu erkennen, wie ich sie je überwinden sollte. Meine Leben fühlt sich festgefahren an. Festgefahren zwischen dem was ich tue und eigentlich nicht will und dem was ich möchte und keinen Schimmer habe, wie ich dahin komme. Mein Körper kapituliert und meine Seele schreit nach Erholung.  

Der Weg ist dein Leben 

Ich sitze im Bus, welcher mich von Berlin nach Hause bringt. Die Fahrt kommt mir unerträglich lang und unbequem vor. In der letzten halben Stunde rutsche ich nervös auf meinem Sitz hin und her und muss unverhofft über mich selbst lachen, als ich mal wieder die Synchronität des Lebens darin ablesen kann. Denn oft, wenn ich ein Ziel habe oder etwas was ich erreichen möchte, will ich eigentlich sofort da sein und bin ungeduldig, wenn das nicht geht. Dabei ist der Weg doch das wirklich entscheidende- er ist mein Leben. So lehne ich mich also in meinen Sitz zurück und versuche jeden Moment dieser Reise geduldig in mich aufzunehmen.

Die Reise beginnt

Zwei Tage später, sitze ich schon wieder, diesmal allerdings im Auto. Es ist der Tag an dem die lang ersehnte Urlaubsreise losgeht. Meine Mutti und ich sind auf dem Weg nach Chemnitz, wo wir uns mit Silvio, dem Veranstalter dieser Reise und leitendem Yogalehrer, treffen werden, um gemeinsam den Weg in die Toskana anzutreten. Die nächsten 3 Stunden Autofahrt bis zu unserer Zwischenübernachtung, sind entspannt, ruhig und unerwartet ohne Pullerpausen.

Der Auftakt unserer Yogareise ist ein Abend bei Pizza und Hugo, weitergeführt mit Wein und langen tiefen Gesprächen. Nach diesem Abend ist mein Herz bereits mit Glückseligkeit gefüllt und ich kann die kommende Woche kaum erwarten.

Zur zweiten Etappe schließen sich noch einige Mitreisende an. Die lange Fahrt füllen wir mit Gesprächen, mit lachen, schlafen, Kennenlernen, sein und irgendwann sind wir da. Nachdem wir sämtliche winzige italienische Dörfer, immer weiter in Richtung Nirgendwo, hinter uns gelassen hatten, kamen wir dann im Convento an, welches das Ziel unserer Reise und das Paradies für die nächste Woche sein sollte.

Ankommen

Dieser Ort ist einfach himmlisch. Es handelt sich hierbei um ein uraltes Kloster welches Marcel, der Besitzer, und seine Frau in vielen Jahren Arbeit und einigen Rückschlägen zu einem, mit so viel Liebe getränkten, Ort verwandelt haben. Mutti und ich ziehen nach dem Ankommen direkt in unser Dreibettzimmer ein, welches Gemütlichkeit ausstrahlt und einem das Gefühl von „Nach Hause kommen“ gibt.

Nach und nach füllt sich das ganze Hause mit Mensch die sich nach Erholung, Yoga und guter Gesellschaft sehnen. Wir finden uns alle zum Sonnenuntergang auf der großen Terrasse zusammen, um das erste Mal gemeinsam ein herrliches Abendbrot zu zelebrieren. Es gibt ein köstliches italienisches 3 Gänge Menü mit tiefroten Wein und einigen Worte von Silvio und unserer zweiten Yogalehrerin Daniela zum Einstig. Während wir also unsere Gaumen verwöhnen, der Sonne beim Untergehen zuschauen und die ersten Kennenlern- Gespräche führen, fühle ich mich überwältigt bei der Schönheit des Lebens und bin unendlich dankbar für die Möglichkeit hier sein zu können.

Anschließen gab es einen großen Begrüßungskreis im kleineren der beiden zur Verfügung stehenden Yogaräume. Ich war unheimlich neugierig darauf, jeden einzelnen dieser Menschen besser kennenlernen zu dürfen. Nacheinander erzähle also jeder von uns, was wir für Yogaerfahrungen haben und was uns hierher geführt hatte. Beim Zuhören fiel mir auf, dass ich ganz ohne großes Vorwissen über unsere Yogalehrer hierhergekommen war. Ich hatte noch nie eine Stunde mit Silvo oder Daniela praktiziert, weder wusste ich wer sie wirklich waren. Das empfand ich irgendwie auch als genau richtig so. Ich war einfach da. Ohne große Erwartungen oder Vorstellungen. Ganz offen für alles, was auch immer sich mir eröffnen oder sich manifestieren würde. Gleichzeitig war ich sehr gespannt und freute mich auf die Yogastunden und darauf wie es sein wird, ganz intensiv für eine Woche mit den gleichen Lehrern zusammen zu sein. Nicht nur eine Yogastunden mit ihnen zu erleben, sondern sie wirklich kennenlernen zu können. Außerdem fand ich es spannend einen männlichen Yogalehrer zu erleben, da ich, soweit ich mich erinnern kann, keinen männlichen Yogalehrer persönlich kenne und auch noch nicht wirklich mit einem praktiziert habe.

Warum bin ich hier?

Die ersten zwei Tage im Paradies waren für mich sehr aufwühlend und reinigend. Die erste Nacht, war mit tiefem und ruhigem Schlaf gesegnet. Wir trafen uns pünktlich um 7:30 zur Morgenmeditation. Am Abend zuvor wurde uns ans Herz gelegt die Frage „Warum bin ich hier?“ zu erforschen. Als ich an diesem Morgen noch einmal in mich hineinfragte, bekam ich eine ganz klare Antwort: Heilung. Ich war hier um zu heilen. Es gab einfach so viel in mir was Heilung brauchte.

Nach der Mediation gab es die allmorgendliche Yogastunde. Silvio war an dem heutigen ersten Tag unserer Lehrer. Es war eine tolle Stunde. Ich harmonierte mit der Art, wie er unterrichtet und fühlte mich dementsprechend wohl. Sehr unwohl hingegen fühlte ich mich an diesem Morgen mit mir und meinem Körper und somit ungewohnt unsicher auf meiner Matte.

Vor meiner Abreise hat mein Körper hinter meinem linken Knie einfach mal eine komische Schwellung geformt und nach Besuchen bei Hausarzt und Orthopäde, hatte es auch einen Namen: Bakerzyste. Was das wirklich ist und wie ich mich jetzt am besten nicht oder doch bewegen sollte, wusste ich allerdings nicht. Da ich ein sehr körperverbundener Mensch bin, verunsicherten mich Disharmonien sehr leicht. Deshalb hatte ich das Gefühl einfach nicht auf meiner Matte ankommen oder loslassen zu können.

Spüren wer ich bin und wer ich sein will und den Raum dazwischen. Um am Ende vielleicht noch besser zu verstehen warum alles so ist wie es ist und dass das auch genau so sein soll.

Nach dem Morgenprogramm gab es den ersten ausgiebigen und wirklich vorzüglichen Brunch im Sonnenschein. Den Rest des Tages bis zur zweiten Yogaeinheit am Nachmittag, verbrachten wir im Garten Eden des Conventos. Es war perfekt. Ich war im Urlaub und, wie ich immer so schön sage, vollkommen in meinem Peace angekommen. Alles was ich wollte konnte ich an diesem göttlichen Ort finden, ich musste keinen Wanderungen beschreiten oder neue Orte erkunden, mir reichte die Sonne über und das weiche Gras unter mir. Hier konnte ich mein Warum ausleben. Ich wollte wieder bei mir ankommen, Erdung erfahren, mal wieder fühlen, um was es eigentlich geht, um herauszufinden was ich will. Spüren wer ich bin und wer ich sein will und den Raum dazwischen. Um am Ende vielleicht noch besser zu verstehen warum alles so ist wie es ist und dass das auch genau so sein soll.

Und um Erdung zu erfahren, muss man vielleicht auch erst wissen was es heißt zu fliegen. Deshalb und weil es eine so große Leidenschaft von mir ist, passte die erste Acro-Yoga Session mit Silvio so erstklassig zu diesen Tag. Wir hatten uns bereits auf der Hinreise darüber ausgetauscht, dass wir beide eine große Begeisterung dafür hegen, weshalb wir schnell beschlossen, dass wir auf jeden Fall ein bisschen zusammen üben wollen.

Yoga außerhalb meiner Matte

Es wurde immer später und die erste Nachmittags-Yogastunde stand an. Ich fühle so tief in mir drin, dass ich nicht bereit für diese Yogastunde war. Ich hatte eine riesige Resistenz in mir und wollte einfach nicht auf die Matte. Ich fühle mich nach Alleinsein, nach wirklichem Alleinsein, ohne die Gruppe, ohne Mutti, nur ich und alles was sich da in mir angestaut hat. Aber da ich ja extra auf einer Yogareise war und eigentlich nichts verpassen wollte, entschied ich mich dazu, doch mit in den Yogaraum zu kommen.

Doch ich konnte einfach nicht Ankommen. Alles in mir wehrte sich gegen das Hier und Jetzt. Ich hatte mich noch nie so unwohl auf meiner Matte gefühlt. Ich fühlte mich so unverbunden zu mir selbst, zu meinem Körper und zu meiner Yogamatte. Also verließ ich nach ca. der Hälfte der Yogastunde den Raum. Ich ging rauf in mein Zimmer wo mir erst einmal die Tränen kamen. Ich zog mir andere Sachen an, nahm meine Musik mit mir und lief einfach los. Ich setzte mich an einen kleinen Bach, unterhalb der Hängebrücke, welche in das naheliegende Dorf führte. Es war der perfekte Ort für mich und meine Gefühle. Ich saß einfach da, ließ all meiner Verirrung und Verlorenheit in mir Raum und auch meine Tränen durften fließen, wie der Bach zu meinen Füßen. Für mich ist Weinen etwas unglaublich heilendes und reinigendes. Wenn all die Gefühle ausgeschwemmt worden sind, ist da Platz für Klarheit, Verständnis und Liebe für mich selbst. Dadurch erfahre ich Heilung.

Seit ich hier an diesem stillen Ort angekommen bin, habe ich das Gefühl, alles in mir schreien zu hören. Auf einmal kommt alles, was ich im schnellen und lauten Alltag nicht höre, hoch. Wo will ich hin? Wer will ich sein? Was will ich tun? Wo gehöre ich hin? Was will mein Körper mir sagen? Wie kann ich die Trauer in mir heilen?

Und als ich so am Fuße des Baches saß, mit der Bedrückung in meiner Seele, dass ich mich noch nie so unwohl auf meiner Matte gefühlt hatte, welche doch eigentlich mein Zuhause ist, wurde mir etwas klar. Ich erinnerte mich, dass Yoga für mich heißt bei mir selbst anzukommen, mit mir selbst in Kontakt zu treten und zu erfahren wer ich wirklich bin. Und wenn ich für diese Erfahrungen von meiner Matte treten muss, dann ist das nicht weniger Yoga als jenes, was ich auf meiner Matte praktiziere. Yoga kann überall passieren und in diesem Augenblick konnte ich mehr Yoga allein am Rande des Flusses finde, als auf meiner Matte, mit mehreren Menschen um mich herum.

Standfestigkeit

Der nächste Tag startet natürlich wieder mit einer Meditation und einer anschließenden Yogastunde, welche wir dieses Mal mit Daniela praktizieren durften. Die gestrig aufgewirbelten Gefühle, begleiteten mich auch an diesem Tag auf meiner Matte. Dadurch, dass ich mich, durch mein Knie, in meiner Praxis sehr eingeschränkt fühle kam ich einfach in keine Harmonie. Alles fühlt sich anstrengend, verdreht und einfach falsch an. Ich fühle mich frustriert, traurig und verloren und wollte am liebsten einfach schon wieder gehen. Doch ich blieb. Denn die Praxis auf der Matte ist nicht immer nur schön, einfach und leicht, sondern eben auch herausfordernd, aufwühlen und grenzüberschreitend. Es benötigt Mut, Vertrauen und Durchhaltevermögen, denn einige Dinge löst man nur, indem man sie durchschreitet. Also versuchte ich auf mich und meinen Körper zu hören, mein Knie zu fordern ohne es zu überfordern.
Eigentlich bin ich es gewohnt auf meiner Matte fast grenzenlos zu sein. Gewöhnlicher Weise kann ich alles tun. Jetzt habe ich das erste Mal das Gefühl, spüren zu können, wie Anfänger oder Menschen denen nicht alles so natürlich kommt, sich fühlen. Was ich gut finde, da es mir sonst sehr schwer fällt, mich dahinein zu fühlen.

Die vielen Stehasanas fordern mich sehr. Meine Beine fühlen sich an wie Wackelpudding und ich merke, wie ihnen die Kraft fehlt mich zu halten. Wie symbolisch denke ich. Denn gerade die Beine haben viel mit Standfestigkeit zu tun. Standfestigkeit und Verwurzelung im Leben. Ich habe gerade eine meiner wichtigsten Wurzeln im Leben verloren und ich kann meine Entwurzelung deutlich spüren.

Im Savasana muss ich weinen. Mal wieder eine Reinigung. Diese Praxis war unbequem, anstrengend und aufreibend, doch genau deshalb so unglaublich heilend. Denn, um all das freizusetzen und durchzuschreiten komme ich auf meine Matte. Ich nehme mir vor, mich mehr auf Standasanas zu konzentrieren, um das Wiederfinden meiner Stabilität im Leben zu unterstützen und auch körperlich wieder sicherer Stehen zu können.

Die heilende Kraft des Meeres

Nach einem genüsslichen Frühstück im Sonnenschein, war der erste Ausflug zum Strand geplant und ich war mehr als Strand-reif! Mein Herz verlangte, nach Sonne, Sand und Salzwasser!
In ca. einer Stunde Fahrzeit waren wir dann auch schon an der Küste angekommen. Wir hatten zwar fast alle Mitglieder der Reisetruppe verloren und Sonnenschirme gab es auch nicht, aber das alles machte mir nichts aus. Es gab Sonne, Strand und Meer- ich war mal wieder in Peace angekommen.

Der Stand war heiß und das Meer herrlich erfrischend. Am Ende fanden wir einen Teil unserer Truppe doch wieder und einen Sonnenschirm gab es auch noch. So war also alles perfekt und wir verbrachten den Tag damit uns im Meer zu erfrischen, Acroyoga und Handstände im Sand zu üben, zu sonnenbaden, zu reden und zu albern.
Für eine Sonnenpause zogen wir uns in ein süßes Café zurück, um bei guten italienischen Cappuccino und dem leckerstem Gelato Geschichten übers Leben zu teilen.

Mit bei uns am Tischen saßen Gretel und Heidi, zwei wundervolle und so inspirierende Frauen, die sich schon ihr Leben lang kennen und mit ihren über 60 Jahren eine vitale, junge und frische Lebendfreude ausstrahlen, wovon sich einige in meinem Alter eine dicke Scheibe abschneiden könnten. Gretel erzählte uns ihre Geschichte, wie sie mit ihrem Mann nach Kanada auswanderte und noch einmal von vorn begann. Wir alle lauschten gespannt den Aufs und Abs die sie durchlebte, um da anzukommen wo sie jetzt gerade ist. Das wird wohl einfach immer eine meiner liebsten Beschäftigungen sein, den Geschichten von Menschen zu lauschen, zu erfahren was sie erlebt haben und woran sie gewachsen sind.

Da die Zeit in den schönsten Momenten viel zu schnell verfliegt, ist es schon wieder Zeit uns vom Meer zu verabschieden, doch zum Glück wartet ein fantastisches Abendbrot bei Sonnenuntergang auf uns. Auf dem Weg zurück merke ich wie unglaublich heilend die Zeit am Meer und das Meer selbst jedes Mal für mich ist. Ich fühle mich aufgeladen mit Energie und mehr in Harmonie mit mir und meinem Körper.

Lebensgeschichten und Altersfragen

Nachdem Abendessen gab es noch eine weitere Lebensgeschichte, und zwar die von Marcel. Er erzählt uns die Geschichte des Klosters, wie er und seine Frau es fanden und wie sie daraus das kreierten was es heute ist. Es war eine tolle und bewegende Geschichte die von Rückschlägen, von Gedanken des Aufgebens und davon erzähle, wie es durch einen festen Willen und der Annahme von Hilfe am Ende doch alles gut werden kann.

Als wir dann im lauen Sommerabend bei Wein, einen fantastischen Sternen Himmel und umgeben von Glühwürmchen diesen wundervollen Tag ausklingen ließen, musste ich darüber nachdenken, was ich heute über das Leben lernen konnte.

Ich dachte an all die inspirierenden Lebensgeschichten die ich von Silvio, Gretel und Marcel heute und in den vergangenen Tagen hören konnte. Ich dachte an all die anderen Geschichten die ich aus meinem eigenen Leben und denen meiner Herzensmenschen kenne. Da erkannte ich, dass all diese Geschichten einen gemeinsamen Kern tragen.
Am Anfang steht immer der Ruf der Seele. Der Ruf nach Veränderung, nach Lebensfreude, danach das auszuleben wofür du brennst und mit der Welt das zu teilen, was deine innere Bestimmung ist. Wenn du dann losgehst, wirst du Fehler machen, daraus lernen und es nachher besser wissen. Du wirst in hunderten von Sackgassen landen und immer wieder verzweifelt nach dem Weg suchen. Am Ende wirst du ihn auch immer wieder finden, auch wenn er vielleicht ganz anders sein wird, als du immer dachtest. Wenn du an deinem Herzenswillen festhältst, dann finden die richtigen Menschen, die passenden Gelegenheiten und die perfekten Ideen ihren Weg zu dir. Seinem eigenen Weg zu folgen heißt nicht, dass es immer leicht und unbeschwert sein wird, ganz im Gegenteil. Doch wenn du losgehst,  wird dein Mut sich auszahlen und alles was du brauchst, wirst du auf dem Weg lernen.

Der zweite wichtige Punk, welcher mir vorher schon bewusst war, aber den ich jetzt erst richtig tief fühlen kann ist: Age doesn’t matter! – Alter ist völlig unwichtig!

Ich erlebe vermehrt in meinem Freundeskreis und bei mir selbst, dass ab und zu die Angst aufsteigt etwas zu verpassen bzw. den richtigen Moment zu verpassen, um etwas Bestimmtes zu erleben oder zu tun. Als Kinder bekommen wir oft zu hören, dass wir noch „zu jung“ sind, um bestimmte Dinge zu tun und wenn wir dann endlich älter werden, kommen wir irgendwann an den Punkt, wo wir Angst haben nicht alles zu schaffen, was wir noch machen wollen, bevor wir angeblich „zu alt“ dafür sind.

Das ist ein völliges Hirngespinst, denn dein Leben läuft immer im perfekten Timing.  Durch die Geschichten die ich gehört und die Menschen die ich kennengelernt habe, kann ich dir mit Sicherheit sagen: Du kannst in jedem Alter die Welt bereisen, tuen was du liebst, mit neuen Dingen anfangen und mit alten aufhören. Du kannst als reifer Erwachsener noch immer Kind sein oder als Jugendlicher schon ein sehr reifer Erwachsender. Es kann passieren, dass jemand der älter ist als du, dich mehr berührt, als jemand in deinem Alter und genauso kann jemand der jünger ist als du, dich vielleicht mehr inspirieren, als jemand, der um Jahre älter ist. Du kannst in jedem Alter Liebe verlieren und gewinnen. Fürs Wachsen, Entdecken, Lachen, Lieben, Weinen, Tanzen, Singen, Spielen, Lernen und Sein gibt es einfach kein Verfallsdatum. Am Ende können wir alle voneinander lernen.

Ich bin dankbar dafür, dass dies jetzt so tief in meine Seele einsinken konnte, denn es nimmt mir den Druck, etwas tun oder sein zu müssen, was eigentlich erst noch Zeit zum Reifen braucht.

Age doesn’t matter! – Alter ist völlig unwichtig!

Balance finden

Die nächsten Tage sind, nach der aufwühlenden Anfangsphase, erdend und kräftigend. Wir durften eine ganz besondere Meditation erleben. Hierzu gingen wir alle zusammen auf die kleine Hängebrücke, welche das Convento mit dem kleinen italienischen Dorf auf der gegenüberliegenden Seite verband. Wir saßen alle nebeneinander im harmonischen Schwingen der Brücke, lauschten dem Rauschen des Baches unter uns, dem Singen der Vögel über uns und spüren die warme Sonne im Gesicht. Nach meinem Gefühl hätte ich hier Stunden sitzen können. Es war perfekt und ich mal wieder in Peace.

Nach diesem sanften und besonnenen Einstig in den Tag, gab es eine fordernde und gleichzeitig sehr ausgewogene Yoga-Praxis unter dem Thema „Feuer“. Dann hatten wir wieder einen Tag im Convento, den ich mit Mutti die meiste Zeit auf dem weichen Rasen verbrachte. Mutti las mir vor und wir lachten so lange und ausgelassen, dass uns die Tränen über die Wange purzelten. Es war so schön, ausgelassen Zeit mit meiner Mutti verbringen zu können. Ich bin dankbar, dass wir uns so nah sind, dass wir uns alles erzählen und dass wir so eine besondere Verbindung teilen.

Dieser Ort machte es einem einfach so leicht zu entspannen, es ist das perfekte Stückchen Erde.
Wasser direkt aus der Quelle trinken zu können. Nichts zu hören außer dem Gesang der Vögel und das Rauschen des Windes in den Bäumen. Nichts zu riechen außer den Duft der Blumen. Nichts zu sehen außer Natur, Berge und Täler. Nichts zu tun, als zu sein und seiner Intuition zu folgen.

Mit Mutti liefen wir eine Runde durch den kleinen Bach und konnten spüren, dass die einfachsten Dinge wohl die schönsten sind. Wie jeden Tag gab es natürlich am Nachmittag eine Runde Acro-Yoga und ich hatte unglaublich Spaß daran neue Dinge auszuprobieren und zu merken wie Silvio und ich uns langsam aufeinander einspielen und zusammen lernten.

Am Nachmittag gab es dann eine intensiv Yogastunde zum Thema Schultern und Arme. Mich faszinierte es unheimlich wie viel Einfluss die kleinsten Bewegungen auf den Körper haben können. Einige kleine Drehungen im Unter- und Oberarm und schon kommt man ins Schwitzen. Das zeigte mir mal wieder, dass die großen Bewegungen und Posen oft erst wirklich intensive durch die kleinen Details werden.

Außerdem lernte ich auch hier wieder, wie eigentlich bis jetzt in jeder Yogastunde hier, viel über meine Überbeweglichkeit. Dadurch, dass ich schon seit dem ich 5 Jahre alt bin, meinen Körper in alle möglichen Richtungen biege, sind meine Sehen und Bänder oft überdehnt. Dies wirkt von außen oft beeindruckend und beneidenswert, doch ich habe erkannt, dass ich dadurch andere Dinge lernen muss.

Denn Überbeweglichkeit ist ein Segen und ein Fluch, wie man so schön sagen würde. Wenn man unbeweglich ist, neigt man oft dazu innerhalb seine Grenzen zu bleiben und sich nicht zu trauen weiter zu gehen. Wenn man allerdings überbeweglich ist, nimmt man die Grenzen seinen Körpers nicht immer war und tut sich dann oft weh, ohne es überhaupt zu merken. Deshalb werde ich mich jetzt darin üben, meine Muskeln zu Stärken und mehr aus Kraft als aus Dehnung zu praktizieren.

Ich werde ab jetzt achtsamer im Hinblick auf meine Grenzen sein. Damit ich weiß wenn ich einen Schritt zurückgehen muss.

Momente für das Einwegglas

Am nächsten Tag ging es mal wieder zum Stand. Er lag ein bisschen weiter weg, dafür blieben wir als Gruppe zusammen und es gab Schirme, Liegen und eine Bar.

Wenn man Momente in ein Einwegglas einkochen und für immer Aufbewahren könnte, hätte es an diesem Tag so einige gegeben. Es war die Perfektion in dieser Strandbar zu sitzen, Aperol-Spritz zu trinken, über alles Mögliche zu reden, zu lachen und rumzualbern. Es war herrlich Handstände auf dem Steg zu üben und Acro-Yoga mit dem Rauschen des Meeres im Ohr zu praktizieren. Und am aller Besten war es, am Ende des Tages auf den, noch mit Sonnenenergie aufgeladen, Steinen zu liegen, nichts zu sagen, sondern nur den Klang des Meeres zu lauschen und von wundervollen Menschen umrundet zu sein.  Das Gefühl, wenn es nichts hinzuzufügen gibt, weil dieser eine Moment alles ist.

Die Kraft eines Mantras

Zu den Highlights des vorletzten Tages gehörte der Trip nach Lucca. Dies war früher eine sehr bedeutende Stadt für Italien. Heute überzeugt sie immer noch mit ihren großen Plätzen, beeindruckenden Kirchen und der riesigen Stadtmauer, welche die gesamte Stadt umrundet. Es war heiß, majestätisch und in den kleinen Gassen drängten sich Menschen. Es erinnerte mich ein wenig an Sevilla und somit kam ein wohliges Heimatsgefühl in mir auf.

Das zweite Highlight war das gemeinsame Mantra singen am Abend, diesen wundervollen Tages. Wir hatten uns alle in dem kleineren Yogaraum unter dem Dach des Haupthauses zusammen gefunden,  um gemeinsam 108 Mal das Gayatri Mantra zu rezitieren. Ich glaube, man kann nicht beschreiben, wie es sich anfühlt mit über 20 Menschen 108 Mal die gleichen Zeilen zu singen, auch weil es für jeden einfach anderes ist. Ich brauchte meine Zeit, um mir im Text und im Klang der Worte sicher zu sein, aber ich fühlte von Anfang an die Energie, denn in jeder Zelle meines Körpers breitet sich ein leichtes kribbeln aus.

Anschließend fühlte ich mich ruhig und ein wenig verbundener mit mir und allem.

Der letzte Tag

Als ich am letzten Tag aus meinem Bettchen schlüpfte, war die Melancholie, welche am Abend aufbrechen würde, noch nicht da. Alles was ich fühlte war Dankbarkeit und Vorfreude auf diesen wundervollen Tag.  Es ging natürlich wieder mit Meditation und eine fantastischen Yogastunde los. Zum letzten Mal saßen wir zum Frühstück, im morgendlichen Sonnenschein, beieinander und ließen uns heute besonders viel Zeit, um noch einmal jeden Augenblick einfangen zu können.

Anschließend genossen wir noch einmal diesen wundervollen Garten Eden des Conventos. Ich bin wirklich so fasziniert, dass mich das bloße Hiersein einfach vollkommen erfüllt. Mehr brauche ich nicht. Genau darauf kamen Silvio und ich auch in unserem Gespräch zu sprechen, welches wir führten, nachdem er sich zu mir an den Tisch setzte, wo ich gerade einige Gedanken über die Reise in mein Notizbuch schrieb.

Er erzählte davon, dass ihn die Zeit in der Toskana immer viel Erdung schenken würde und das er hier merkte, wie wenig man eigentlich im Leben brauchte.

Es ist unglaublich was die Zeit für eine Qualität annimmt, wenn du sie mit etwas verbringst, was dich innerlich erfüllt.

Dieser Satz stieß mich an, darüber nachzudenken, worauf ich Zuhause kaum verzichten könnte und hier kein einziges Mal dran gedacht hatte. Das Erste was mir einfiel, war eine schlechte Gewohnheit, die in der Vergangenheit ein wenig die Überhand in meinem Leben übernommen hatte. Ich rede von Netflix. Nein wirklich, kein Witz. Zuhause schaute ich wirklich oft Serien. Zum Essen, zum Kochen, zum Bügeln… Ich wollte es mir immer abgewöhnen, aber irgendwie entspannte es mich und war zu einer lästigen Gewohnheit geworden. Hier in der Toskana hatte ich nicht ein einziges Mal daran gedacht, dass ich gern eine Serie schauen würde. Das machte mir umso deutlicher, dass es einfach eine unwichtige Angewohnheit war.

Und ja, mich hat die Zeit hier auch geerdet und vor allem mal wieder aufgezeigt, was wirklich zählt und wichtig ist. Es sind die Begegnungen mit Menschen, die Gespräche über das Leben, Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, Natur, Lesen, Lachen und einfach Dinge zu tun, die einen glücklich machen.

Was ich noch fühlen konnte und was mich innerlich begeisterte, war die Energie die ich bekam, wenn ich mich ausschließlich mit Dingen beschäftigte die ich liebe. Es ist unglaublich was die Zeit für eine Qualität annimmt, wenn du sie mit etwas verbringst, was dich innerlich erfüllt. Und wenn du einmal weißt wie sich das anfühlt, dann kannst du nicht mehr zurückgehen. Egal was du auch tust, du kannst diesem inneren Drang, dich immer und immer wieder so fühlen zu wollen, nicht widerstehen. Das sollte ich nach meiner Rückkehr erfahren.

Es war ein so herrlicher Nachmittag. Silvio und ich saßen ewig so an einem Tisch, erzählten uns vom Leben und immer mal wieder kam irgendwer dazu und stieg mit ins Gespräch ein. Am späteren Nachmittag gab es dann natürlich noch eine Acro-Yoga–Runde und diesmal blieben wir nicht allein. Wir spielten ein wenig damit Pyramiden zu bauen und verrückt Instagram-Fotos zu schießen. Es war einfach perfekt und ich glaube diesmal waren wir alle im Peace angekommen.

Dann gab es noch eine letzte Nachmittags-Yoga-Session. Hierbei durften wir die Kraft des LSD-Yogas erfahren. Long Slow and Deep- Lang, Langsam und Tief. Silvio sagte uns bereits vorher, dass es sein kann, dass wir uns nachher nicht wirklich gesprächig fühlen und uns vielleicht einen ruhigen Platz für uns selbst suchen sollten. Und tatsächlich, fühlte ich mich sehr nach Rückzug nach dieser Yogastunde. Während des Praktizierens, ist ein Gefühl in mir hochgekommen. Das Gefühl von Verlust, mit welchem ich schon immer, aber im Moment besonders, schlecht umgehen kann. Diesen Ort hier zu verlassen und damit all die Menschen auch, fällt mir schwer. Doch ich weiß, dass das alles hier bereits ein Teil von mir ist, ich also eigentlich nichts wirklich verlieren kann.
Das hilft ein wenig.

Nach dem zauberhaften letzten Abendbrot im Sonnenuntergang, trafen wir uns noch einmal alle im Yogaraum, um einen kleine Abschiedsrunde zu machen. Es ist toll zu spüren wie sich die Energie seit Anfang der Woche verändert hat. Wir alle kennen uns besser und teilen jetzt Erinnerungen. Nach einem kleinen Ritual teilen einige ihre Gedanken.

Was meine Gedanken sind? Nun ja, mein Warum hieß Heilung. Bin ich also geheilt? Ja auf jeden Fall. Zusätzlich dazu bin ich auch geerdet, mit Energie ausgefüllt und mit dem Wunsch beseelt, niemals nach etwas geringerem zu streben, als das zu tun was mich innerlich beseelt.

Außerdem die Erkenntnis: Sei verrückt und unvernünftig von Zeit zu Zeit. Lass deine Seele und dein Herz frei- es wird dich heilen. Denn du bist nicht hier, um perfekt und vernünftig zu sein. Du bist hier, um zu leben und zu erfahren, was du alles sein kannst und vielleicht überraschst du dich dann selbst und genau DARUM geht es am Ende doch.

Nach dem Abschiedskreis, setzten wir uns alle draußen auf der Terrasse zusammen, um diese Reise bei letzten Gesprächen und einem oder zwei Gläsern Wein ausklingen zu lassen. Dann ist es Zeit ins Bett zu gehen und die ersten Verabschiedungen entgegen zu nehmen.

Als ich am nächsten Tag um 5:30 Uhr morgens ins Auto steigen, um die Rückfahrt anzutreten, ist meine Herz vollgefüllt mit Liebe, Glückseligkeit, einer Tonne Dankbarkeit und ein wenig Wehmut. Ein Blitzlicht dieser Reise fliegt an mir vorbei als das Auto sich in Bewegung setzt und ich muss mit überraschen feststellen, das mit ein wenige Abstand betrachtet, die Wand, welche vor meiner Reise so unüberwindbar schien, die ganze Zeit bereits eine offene Tür verbarg.

Die Reise in Wörtern

Langsamkeit, schweigen, ankommen, singen, lachen bis einem die Tränen kommen. Tanzen, lesen, weinen, schütteln, sein, lieben, glückliche Seelen, Verbundenheit, offene Herzen, im Hier und Jetzt. Meeresrauschen, nackte Haut, Wärme, Berührungen, Steine, Sommersprossen, Aperol-Spritz, salzige Lippen, sandige Füße, Cappuccino. Kind sein, Loslassen, Festhalten, Nichtstun, fliegen, bleiben, gehen, nackte Füße, ehrliche Worte, kribbeln in den Fingern und Glückseligkeit im Herzen.

In Liebe,

Eure Linda

I always had a hard time with the feeling of losing and transitoriness, but lately even more than ever, probably because I just lost so much, I just don't want to lose anything close to my heart ever again. I guess that's why it wasn't that easy for me to say goodbye and leave this paradise, but more to leave this bubble of doing exactly what I love with people that inspire me. I want to hold on to all of the goodness and all the people which got so close to my heart in the past couple of days. I know life is a constant change and I can't hold on to anything really, but still this fear of losing takes place inside of me anyway. So now I'm filed up with two things: First there is this sadness, because I have to leave this bubble and I'm scared now to lose something my heart wants to keep. And secondly I'm full of love, gratitude and happiness for all the things I could explore and all the people which lighted up my heart and soul. So in the end there is kind of a balance in all this and so I let everything be there, because this all can only heal, when I'm willing to look at it. So I sit down and go into the deep feeling if trust; trust that life will take me where I need to be. 🙏🏻 •••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• 🇩🇪Deutsche Übersetzung siehe FB @thewildheartedyogi

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Diese und weitere Reisen von Silvio könnt ihr hier finden.
Seinen Blog, sowie Informationen zu seinen DVD’s, seinem Online-Programm und allen weiteren Projekte und
Anregungen von Silvio findet ihr auf seiner Website yogabasics.de . Sowie auf Instagram und Facebook.

 

Linda

Koffein fließ in meinen Venen, Glitzer dekoriert mein Gesicht und ein Garten blüht in meinem Herzen. Ich bin Linda. 25 Jahre jung und genauso wenig ein Fan von Wodka wie von Smalltalk. Yoga ist meine Passion und Liebe meine stärkste Waffe. Ich tanze durch das Leben, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Namasté!

One Comment

  • Stephie
    Juli 2, 2017

    So schön geschrieben. Könnte mich so in den Flieger setzen und auch dorthin fahren. Danke

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