New Experience / Spirit

Übergänge

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Posted on / by Linda

Ich such’ nicht mehr und finde nur
Kommt sowieso an den Start, was kommen mag
Ich such’ nicht mehr und finde nur
War sowieso jemand da
Ist immer jemand da
War immer jemand da, der mir tief in den Kopf sah
-Bosse-

In meinem Studium hatte ich ein Seminar, welches sich mit „Übergängen“ beschäftigte. Da ich „Pädagogik der frühen Kindheit“ studiert habe, ging es um das Gestalten der Übergänge, welche unvermeidbar zum Kind-Sein dazugehören:

Wenn man als Kind, aus seinem sicheren Elternhaus das erste Mal in den Kindergarten kommt. Wenn man dann vom Kindergarten in die Grundschule wechselt und von da aus wiederum in die jeweils weiterführende Schule.

Wir haben in diesem Seminar darüber gesprochen wie wichtig es ist diese Übergänge für Kinder möglichst schön zu gestalten. Denn sie tauchen in eine völlig neue Welt ein. Sie kommen an einen Ort den sie nicht kennen, mit Leuten die sie noch nie gesehen haben. Sie sollen von nun an jeden Tag dort verbringen und Menschen vertrauen die sie nicht kennen. Um Kinder also nicht hilflos dieser Situation auszuliefern, gibt es für den Beginn der Kindergartenzeit die sogenannte „Eingewöhnungszeit“, in welcher das Kind lernt ein Stück von den Eltern loszulassen und der Erzieherin zu vertrauen. Dann gibt es eine Abschlussfeier und die Einschulung. Dann gibt es die nächste Feier, um den Abschluss der Grundschulzeit zu zelebrieren, sich von dem Ort und einigen Freunden zu verabschieden. Und einige Jahre später feiert man bereits den Abschluss seiner Schulzeit.

Jede Feier symbolisiert ein Ende und einen neuen Anfang. Es ist der Schnittpunkt wo Altes und Neues aufeinander trifft. Es ist der Moment in dem man Abschied nehmen kann, in dem man das vergangene loslässt und das Neue begrüßt.

Es ist Dezember. Ich habe vor kurzem meine Bachelorarbeit abgegeben. Und ich frage mich wann wir aufgehört haben Übergänge zu feiern? Ich denke nämlich, dass Übergänge im Erwachsenenalter genauso feinfühlig und bedeutend angegangen werden sollten, wie in der Kindheit. Und ich finde es wirklich traurig, dass ich mein Studienabschlusszeugnis einfach per Post zugeschickt bekomme. Denn schließlich ist das jetzt nicht unbedingt ein unbedeutendes Ereignis oder?

Ich würde auch gern Feiern. Genau wie in der Grundschule, beim Schulabschluss und wie sonst überall. Ich würde auch gern einen Talar tragen und meinen Hut in die Luft werfen, um damit zu sagen „Hey, ich habe soeben erfolgreich einen nicht zu verkennenden Abschnitt meines Lebens abgeschlossen.“ Ich finde es wirklich verrückt, dass für viele dieses Ritual vollkommen egal ist. ‚Denn ein Bachelor ist ja heutzutage eigentlich auch gar nichts wert, mit dem kann man ja nichts anfangen und erst ab dem Master gilt ein Studium eigentlich als wirklich nennenswert.‘ Ernsthaft?
Und dann wundern wir uns, warum wir nirgends mehr richtig ankommen. Warum nichts mehr richtig aufhört und richtig anfängt. Warum die Erinnerung ineinander verschwimmen und wir uns irgendwann fragen, wie wir eigentlich hier gelandet sind. Ja, dann wundern wir uns warum wie Welt voller Menschen ist, die nicht wissen was sie wollen und wo sie hingehören.

Erst vor kurzem habe ich einen Artikel darüber gelesen, dass Abschiede eben wieder größer gefeiert werden sollten, weil es wichtig ist, um loszulassen zu können und einen Strich zu ziehen. Ich bin dafür! Ich möchte meine Abschiede feiern. Laut, wild und ausgelassen will ich mit meinem alten Lebensabschnitt tanzen. Hand in Hand. Damit ich ihn dann am Ende des Abends loslassen, mit Konfetti bestreuen und mit einem guten Gefühl im Bauch loslassen kann. Und dann drehe ich mich um und laufe, noch immer mit Konfetti im Haar, aber mit Vorfreude im Herzen, meinem Neuanfang entgegen.

Ja so will ich Abschiede feiern. Dann lässt sich dieses unwohle, unsichere und verlorene Gefühl, was sich ausbreitet, wenn man einem neuen Abschnitt in seinem Leben entgegengeht, leichter ertragen. Denn, es ist ein komisches Gefühl, den sichern und gemütlichen Rahmen des Studiums zu verlassen und auf einmal den ‚Ernst‘ des Lebens ins Gesicht zu sehen.

Auge um Auge. Zahn um Zahn. Ich sag’s euch.

Von wegen das „echte“ Leben beginnt, wenn du das Haus verlässt und Studieren gehst. Danach fängt der Spaß erst richtig an. Auf einmal stehst du da und weißt, jetzt geht es also los. Jetzt musst du dir überlegen wie du deinen Traum verwirklichst und gleichzeitig auch noch dein Leben meisterst. Ich bin 24 Jahre alt und fühle mich noch nicht Erwachsen genug dafür. Ich habe Angst so viel von meiner geliebten Zeit abzugeben. Habe Angst davor, dass das wovon ich Träume, nicht so funktioniert wie ich es mir wünsche.

Aber da es eh immer anders kommt als gedacht, möchte ich versuchen mich fallen zu lassen. Man wächst an seinen Aufgaben und am Ende landet man eh da, wo man sein soll. An ein ‚hartes‘ Leben glaube ich nicht richtig, denn das ist ja auch immer eine Frage der Definition. Herausforderungen sind wichtig und das was du willst kommt dir nicht einfach in den Schoß gefallen, doch darum geht es doch. Um den Weg. Ob man ihn nun als hart bezeichnet oder nicht, das bleibt wohl Ansichtssache.

Auf jeden Fall würden mir Abschiedspartys helfen. Beim Loslassen. Beim Auf Wiedersehen sagen. Und beim Ankommen.

Und da ich mein Glück selbst in der Hand habe, gehe ich jetzt los und kaufe mir Konfetti, Glitzer und Partyhüte.

In Liebe,

Eure Linda

Linda

Koffein fließ in meinen Venen, Glitzer dekoriert mein Gesicht und ein Garten blüht in meinem Herzen. Ich bin Linda. 25 Jahre jung und genauso wenig ein Fan von Wodka wie von Smalltalk. Yoga ist meine Passion und Liebe meine stärkste Waffe. Ich tanze durch das Leben, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Namasté!

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