Spirit

Wie ich mich selbst heile

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Posted on / by Linda

Gibt es für Heilung eine generelle Anleitung? Ist es ein Geheimnis, was man einmal rausfinden und dann auf alles Anwenden kann? Und ist man eigentlich irgendwann geheilt?

Ich habe das Gefühl das Heilung für mich in meinem Leben schon sehr sehr lange eine tragende Rolle spielt, doch in den vergangenen Monaten hat es ein neues Level erreicht und mich vor eine große Herausforderung und zur selben Zeit vor eine offene Tür gestellt.

Wie kann ich dieses riesige Loch und all den Schmerz in mir heilen? Und wird es denn jemals geheilt werden können?

Ich habe in meinem Leben schon einige schmerzliche Erfahrungen gemacht und durch jede einzelne lernen können, wie ich auf mich selbst Acht geben- wie ich mich selbst heile. Doch der Verlust meiner lieben Omi und kurz darauf der meines Vaters, haben mich hier vor ganz neuen Intensitäten gestellt.

Auf einmal hatte ich so eine enorme Menge Schmerz, Trauer und Verlorenheit in mir, dass ich gar nicht wusste wohin mit all dem und was ich jetzt damit machen sollte. Ich habe wirklich eine lange Zeit benötigt, um herauszufinden, was ich brauche und tun kann, um zu heilen. Auch wenn ich immer noch komplett im Prozess drinstehe, habe ich doch bereits Neues gelernt und entdeckt, was ich heut mit euch teilen möchte.

In diesem vorhergehenden Beitrag, habe ich bereits darüber gesprochen, dass dir Schicksalsschläge ein gewisses Sonderrecht verschaffen. Eines, was eigentlich keines sein sollte. Es ist das Sonderrecht unlogische, unvernünftige und unbegründete Entscheidungen zu treffen, ohne dich dafür rechtfertigen zu müssen. Die Erfahrung, einfach mal ganz egoistisch sein zu können, hat mir einen ganz neuen Bezug zu mir selbst gegeben. Zusammen mit der tiefen Einsicht, dass nur ich allein wissen kann, was mir im jeweiligen Moment helfen würde, hat mir zu einer ganz neuen Ebene von Selbstliebe verholfen.

Heilung in kleinen Schritten- Pusteblume

Es ist dabei eigentlich egal, um was es sich bei der Heilung handelt. Ob Trennung, Verlust jeglicher Art, Trauer oder Anderes der Auslöser war, niemand steckt in deiner Haut und niemand weiß, was das Richtige für dich ist, egal ob jemand schon einmal eine ähnlich Situation hatte.

Ich habe in den letzten Monaten erkannt, dass ich nicht alleine bin, aber niemand meinen Schmerz halbieren, meine Entscheidungen treffen oder meinen Weg für mich gehen kann.

Und N E I N, dass ist keine traurige Resignation, denn trotzdem fühle ich mich von meinen Freunden gehalten und bin unendlich dankbar dafür. Doch die Erkenntnis, dass, in egal welcher Situation in meinem Leben, ich selbst die Person bin, die am besten weiß, was mir jetzt hilft oder die genau dies herausfinden kann, gibt mir die Selbstbestimmung die es braucht, um auf mich selbst aufzupassen oder um anderen mitteilen zu können, was ich jetzt genau von ihnen brauche.
Gib deine Heilung nicht in andere Hände ab und erwarte von jemand anderen, dass er es für dich tut. Übernimm die Verantwortung für dich und deine Heilung.

Ich habe erkannt, dass Heilung keine gerade Linie ist. Dass es kein allgemeines Rezept gibt, was man immer und auf jeden anwenden kann. Heilung ist ein langsamer Prozess der aus vielen kleinen Momenten und Ritualen entsteht und manchmal in ganz unverhofften Augenblicken passieren kann. Augenblicke in welchen sich ein heilender Balsam auf deine klaffende Wunde legt und in welchen du für einige Zeit ein Gefühl von Ruhe, Frieden und Leichtigkeit erfahren kannst.

Und ich welchen Momenten finde ich Heilung?

Es ist das Laufen durch die naturbewachsenen und mit grünenden Bäumen gesäumten Wege meines Lieblings-Parkes. Wenn ich zum Rhythmus der Musik in meinem Ohr, im Sonnenschein, Meter für Meter vorwärts renne, bis die Muskeln in meinen Beinen langsam anfangen zu brennen und schwach zu werden und ich noch einige Meter und Minuten über meinen Grenzen hinausgehe, dann erfahre ich Heilung. Und ja, manchmal ist es vielleicht wirklich mehr ein weglaufen. Ein kurzen Moment weg sein von all dem Unbegreiflichen, dem Unerklärbaren und dem Untragbaren. Ich weiß, dass weglaufen keine Lösung ist, aber manchmal ist es vielleicht auch ok, kurz loszulaufen, um leicht zu sein, um kurz wegzulaufen von all dem, was man nicht sofort zulassen kann.

Doch oft ist für mich eher ein „rauslaufen“ oder ein „darauf-zu-laufen“. Ein rauslaufen all der Gefühle und Emotionen die mit Worten einfach nicht zu fassen gehen. Wenn ich laufe habe ich das Gefühl all der Wut, der Angst, der Verlorenheit und der Trauer in mir, einen Ausdruck verleihen zu können. Es ist, wie ein Dialog und mit jedem Schritt den ich gehe verstehe ich mehr warum all das da ist, wo es her kommt und was ich damit tun soll. Es hilft mir all das anzunehmen was so untragbar scheint.

Einen anderen Weg der Heilung erfahre ich auf meiner Yogamatte. Es ist niemals gleich. Jedes Mal, wenn ich auf meine Matte trete findet etwas anderes seinen Raum. Es sind die kraftvollen und schweißtreibenden Flows aus welchen ich Kraft ziehe und in welchen Wut, Unverständnis und Überforderung ihren Platz finden. Zu anderen Zeiten sind es ruhige, leichte und langsame Stunden, in welchen ich mich selbst halte. In welchen Trauer, Schmerz, Verlorenheit und Liebe ihren Raum finden.

Und wenn ich auf meinen Händen stehe dann fühle ich mich Zuhause und das heilt mich, denn der Ort den ich Zuhause nenne fühlt sich jetzt so anderes und für den Moment nicht mehr so sicher an. Und so komme ich auf meine Hände, stelle meine Welt auf den Kopf, so wie ich es schon seit meinen 5. Lebensjahr mache. So lange bis meine Welt wieder eine neue Ordnung hat und Orte ein neues Normal haben und alles einen neuen Platz eingenommen hat und das Neue sich alles nicht mehr so fremd anfühlt; so lange und darüber hinweg bin ich dankbar dafür, ein kleines Stück Halt auf meinen beiden Händen zu finden.

Und manchmal hat mein Yoga gar keine Form. Manchmal komme ich nur auf meine Matte, um einfach alles da sein zu lassen. Dann sitze oder liege ich da, im Kerzenschein mit Musik und bin bei mir und lass all das zu, wovor ich Angst habe, dass es mich zerstört, wenn ich zulange hinschaue.

Ich komme in die Kindspose und ich lernen jedes Mal, dass es mich nicht umbringt, sondern dass der Weg zur Heilung durch die tiefste Nacht führt. Es lehrt mir, dass wenn ich mich selbst festhalte, ich nicht zerfallen werde, sondern mich neu zusammensetzten kann. Jedes Mal ein Stückchen mehr. Und wenn ich still werde, dann kann ich jedes Mal erkennen, dass Liebe unendlich ist und, dass du immer bei mir bist.

Heilung durch Yoga

Ich habe herausgefunden, dass ich Heilung in meiner Selbstkenntnis, Selbstliebe und so vor allem in der Zeit mit mir selbst finden kann.

Durch das, oben bereits beschriebene, Sonderrecht und somit die täglichen Fragen „Was würde mir jetzt gerade gut tun?“, „Wo will ich gerade sein?“ und „Möchte ich das hier wirklich?“ , habe ich mich selbst so tief kennengelernt wie noch nie zuvor.

Und ich finde Heilung in all den Alleinsein-Stunden.
Wenn ich Samstagabend allein in meinem Zimmer zu Kerzenschein und meiner Lieblingsmusik tanze.
Wenn ich allein zum Akro-Yoga gehe, um völlig in meinem Lieblingssport aufzugehen.
Wenn ich allein durch die Straßen meiner Wahlheimat laufe, mit nichts außer meiner Kamera in den Händen.
Wenn ich mich allein auf einem Konzert in der Menschenmenge zu meiner Lieblingsmusik verliere.
Wenn ich allein in einem dieser liebevoll eingerichteten Cafés sitze, meinen Soja-Latte schlürfe und meineGedanken in mein Notizbuch niederschriebe.
Wenn ich allein im Kino sitze, um mir einen kitschigen Mädchenfilm anzuschauen, weil er mir ein warmes Gefühl im Bauch und eine Sehnsucht im Herzen hinterlässt.
Wenn ich allein bei einem Bier oder Wein auf meinem Balkon den Sonnenuntergang anschaue.
Wenn ich mich gegen eine Party und für ein Abend im Bett entscheide.
Wenn ich Nein, anstatt ein Höflichkeits-Ja sage.
Wenn ich, zu egal welcher Tages- oder Nachtzeit, in der U-Bahn weine.
Wenn ich Orte verlasse die mir nicht gut tun, Menschen meide die mir Energie rauben und wenn ich Entscheidungen mit Herz, Bauch und aus innerem Gefühl heraus entscheide.

Ein großes JA zu mir und allem was mir gut tut und ein Nein zu all den Dingen, zu welchen ich früher viel zu oft Ja gesagt habe obwohl ich Nein gemeint habe, dass ist Heilung.

Doch Heilung liegt nicht nur in all den Stunden mit mir selbst, sondern auch in all den Momenten mit meinen Herzensmenschen.

All die langen, tiefen Gespräche, mit all den großen und kleinen Worten, die offen legen das Verständnis, Mitgefühl und Liebe da ist. Und oftmals auch gar keine Worte, sondern die bloße Anwesenheit von einer Seele die mich kennt und mich versteht, die mich halten kann ohne Worte zu sprechen.

All die kleinen und großen Glücksmomente.
Das gemeinsame Kaffee trinken und Kuchen essen.
Das Barfuß im Park sitzen und Bierchen trinken.
Das gemeinsame Kochen und lachen und träumen.
Das gemeinsame Schlendern durch Straßen und Flohmärkte.
Das gemeinsam zu viel trinken und rauchen und auf Konzerte gehe.
Das gegenseitige Zuhören und Zureden.
Das gemeinsame Pläne schmieden.
Das gemeinsame Wein trinken und Fotos schießen.
Das gemeinsame Eis essen und tanzen und Musik hören.
Das Umarmen und das Lachen.
Und das Tante- Sein und Tante- Werden.

All das sind Momente der Heilung und Momente die mich wissen lassen, dass das Leben doch schön ist und das ich nicht alleine bin und das da Menschen sind die mich lieben und die mich halten und die bleiben.

Das Loslassen davon, dass jemand dir sagen kann wie es geht, das jemand dich heilen oder dich retten kann, ist beängstigend und verunsichernd, aber wenn du Verantwortung für dich und deine Heilung übernimmt, dann öffnest du eine Tür, für die wichtigste Beziehung in deinem Leben- die Beziehung zu dir selbst.

Lass dir Halt geben von deinen Herzensmenschen und lass dich heilen von dir selbst.

In Liebe,

Eure Linda

Musik-Tanzen-Leben

 

Linda

Koffein fließ in meinen Venen, Glitzer dekoriert mein Gesicht und ein Garten blüht in meinem Herzen. Ich bin Linda. 26 Jahre jung und genauso wenig ein Fan von Wodka wie von Smalltalk. Yoga ist meine Passion und Liebe meine stärkste Waffe. Ich tanze durch das Leben, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Namasté!

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